„Ich würde mich doch niemals alleine ins Kino setzen, da bleibe ich lieber zu Hause“, entgegnet eine Freundin, während wir über Gemeinschaftsaktivitäten diskutieren. „Warum denn nicht?“, möchte ich wissen. Weil das peinlich sei und alle Anwesenden denken würden, man habe keine sozialen Kontakte und sei ein vereinsamter Mensch, lautet ihre Antwort. Damit steht sie nicht alleine da, unsere anderen Gesprächspartnerinnen stimmen nickend zu, dann müsse man eben auf den Film verzichten, so die universale Meinung. Als ich zugebe, ab und zu tatsächlich alleine unterwegs zu sein, ernte ich entsetzte Blicke.

Wann ist es eigentlich uncool geworden, Zeit mich sich selbst zu verbringen? Spätestens seit Netflix und co. sind wir gefühlt doch so alleine wie noch nie, verbarrikadieren uns mit der Lieblingsserie, Pizza und Süßigkeiten in unserem Zimmer und bewegen uns stundenlang nicht vom Fleck. Binge Watching wird in der Regel alleine betrieben. Wieso darf man nicht auch alleine ins Kino gehen? Ist Me-Time nur in den eigenen vier Wänden zugelassen?

Zuhause allein zu sein bietet den Vorteil des Unbeobachtetseins, man wird von nicht Fremden wahrgenommen oder bewertet. Die Außenwelt richtet nicht. Doch wir müssen aufhören, vor den Reaktionen Anderer Angst zu haben und unser Wohlbefinden an fremde Urteile zu koppeln. Wieso sollte ich auf einen Film verzichten, zu dem ich keine Begleitung finde, ihn aber trotzdem unbedingt sehen will? Richtig, das sollte ich überhaupt nicht.

Als ich die ersten male alleine im Kino, Theater oder Restaurant war, hatte ich tatsächlich Angst vor den Blicken. Ich befürchtete, die Leute würden denken, ich sei versetzt worden und würde vergeblich auf mein Date warten, am liebsten hätte ich jedem zugerufen, dass dem nicht so ist. Aber das hätte niemanden interessiert, denn man ging einfach an mir vorbei, ohne mich groß zu würdigen oder abschätzig anzuschauen. Niemand hat mich je angesprochen, ob ich noch jemanden erwarte oder einsam sei. Auf gut Deutsch gesagt: den Anderen ist es scheißegal, ob ich da jetzt alleine oder mit jemand anderem sitze. Noch dazu ist es in manchen Fällen sogar schöner, alleine zu sein. Bilder in Museen oder Theaterstücke entfalten manchmal eine andere Wirkung, wenn man alleine ist, sprechen einen auf anderer Ebene an.

„Ich stehe dazu!“, entgegne ich. „Neulich war ich alleine im Theater und es war wunderbar. Nur das Stück und ich, niemand anders“. Erneut stoße ich auf Unverständnis. Ob es mir nicht unangenehm sei, einsam zu sein. „Ich bin alleine unterwegs, aber nicht einsam, das ist ein Unterschied!“. Und den müssen viele Leute wohl noch lernen.

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